Aktuelles 2011

Der Zeitungskampf auf der Insel ist vorüber

Anfang Juli wurde der Zeitungskampf auf Norderney endlich entschieden. Neben dem kostenlosen in den Geschäften täglich ausliegenden Werbeblättchen "Norderneyer Morgen" erhielten die Insulaner seit einiger Zeit den ebenfalls kostenlosen Norderney-Kurier wöchentlich ins Haus, der von der extra auf der Insel eingerichteten Redaktion des Ostfriesischen Kuriers erstellt wurde. Deutschlands kleinster Tageszeitung, der 1868 gegründeten Norderneyer Badezeitung, gingen die Anzeigenkunden aus.

PS: habe heute gehört, daß einige junge Norderneyer ein tägliches Inselblatt herausgeben wollen, das an die insularen Haushalte verteilt wird, falls die NBZ eingestellt wird - man darf also gespannt sein...
Jetzt gelang es dem Ostfriesischen Kurier, die Zeitung ganz zu übernehmen, prompt wurde der Internetauftritt der Badezeitung samt e-paper zum Leidwesen der Butennöörderneer stillgelegt und der Umfang auf 2 Blatt zusammen gestutzt. Dem Sturm der Entrüstung bei den Abonnenten dürfte wohl die Absicht des Verlegers gegenüber stehen, die Insulaner zum Bezug des OK zu motivieren, teurer, aber auch umfangreicher. Aber was interessiert die Insulaner, was sich hinter den Deichen Ostfrieslands tut? Das Ende der Badezeitung dürfte damit nur noch eine Frage der Zeit sein. Und wieder geht eine altehrwürdige Institution den Bach herunter - schade...

Norderney im Fernsehen

Norderney findet man immer wieder im Fernsehen und leider zeitlich beschränkt in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender. Hier was die aktuelle Suche ergeben hat:

NDR 04:55 18.07.10 "Ironman"-Training auf Norderney

ARD 06:29 09.01.11 Norderney will Europas Thalasso-Ziel Nummer eins werden

NDR 05:04 20.02.11 Der Eiswinter 1929

ZDF 01:42 23.04.11 Ostern mit Sommer-Wetter

WDR 89:00 10.07.11 Wunderschön - Meer als Urlaub

NDR 02:59 16.07.11 Nordtour: Höhenangst ist hier Fehl am Platz

NDR 28:34 22.07.11 Die Reportage: Wenn Papa auf die Insel muß

NDR 02:52 23.07.11 Kinderkurdirektorin auf Norderney

NDR 03:56 06.08.11 Norderney mit dem Fahrrad entdecken

NDR 04:54 07.08.11 Norderney im Sommer 1929, ein uralter Film...

NDR 04:05 22.09.11 Uwe Bahn unterwegs

NDR 03:23 29.10.11 Mommsen auf der Rentnerbank

NDR 03:30 06.11.11 Mommsen beim Kurkonzert

NDR 28:34 22.12.11 Der Höker von Norderney

NDR 04:01 26.12.11 Norderney im Winter

9 oder 18??

Heiss umstritten ist die vom Golfclub beantragte Ausdehnung auf einen 18-Löcher Platz und damit der Aufwertung zu internationalem Standard. Die lokale Wirtschaft und alle in Auftrag gegebene Gutachten sprechen sich dafür aus, BUND und Grüne sind wie zu erwarten dagegen: Es könne nicht angehen, für eine kleine elitäre Gruppe schöne Graudünen zu opfern. Mir fällt es schwer, sowas ernst zu nehmen, denn dann müßte man konsequenterweise für kleine elitäre Gruppen den Flugplatz (laut, teuer) schließen oder etwa die Segler heimschicken. Auch die teuren Warschauer Symphoniker spielen mittlerweile nur noch vor einer elitären Gruppe und die Nutzer des Wellenspassbades sind angesichts der dort verlangten Eintrittspreise wohl kaum unter die Hartz-IV-Empfänger zu rechnen. Norderney ist attraktiv weil es soviele unterschiedliche Angebote bereit stellt, Norderney braucht den Urlauber, nicht umgekehrt. Viele Kurorte kämpfen bundes- und europaweit gegen Gästeschwund, manche wie etwa das bayerische Bad Griesbach sogar ausdrücklich mit gepflegten Golfplätzen in malerischer Landschaft als Magnet für eine zahlungskräftige "elitäre" Klientel.

Letztlich sind es wohl kaum die Golfer, die die Graudünen abnagen und unterbuddeln; es wäre zu wünschen, daß die Grünen genausoviel Elan in die Bekämpfung der Kaninchenplage investieren würden. Aber das wäre ja nun konsequent... Kapuzenpulli Norderney

Ohhh ich hab solche Sehnsucht, was soll ich auf Hawaii?
Ich will wieder an die Nordsee, ich will zurück nach Norderney...

In Anspielung auf einen bekannten Song einer Bärliner Band, die unbedingt zurück zu einem anderen "Kur-"ort an der Nordseeküste will, hab ich diesertage für eine Jugendgruppe ein paar T-Shirts drucken lassen. Ich fand den Text einfach markant und prima. Bei der Gelegenheit ist auch ein Norderney-Kapuzenpulli entstanden - chic, nicht wahr?? Kapuzenpulli Norderney Kapuzenpulli Norderney

Schwindelig oder nicht schwindelig...

neuer Hochseilgarten auf Norderney neuer Hochseilgarten auf Norderney Eröffnet wurde diesertage der nagelneue Hochseilgarten auf dem Gelände des ehemaligen Freibads. Damit ist die Insel um eine "elitäre" Attraktion reicher (3 Stunden Erwachsene 21 Euro). Mit drei Kletter-Ebenen warten 26 mächtige Douglasienstämme auf wagemutige Abenteurer, die sich gut angeleint auf die wackeligen Seile trauen. Da muß man schon einige "Traute" haben, denn da oben pfeifts ganz schön um die Ohren und der Boden ist 12m von der obersten Kraxelebene entfernt; huii, da kribbelts einem ganz schön im Bauch...

5 Sterne: Es gibt doch noch Wunder...

Wer hätte das gedacht? Nach 4 Jahren vor Gericht endet eine gefühlt unendliche Geschichte: Die Stadt bekommt endlich die Verfügungsgewalt über das "Baugrundstück" am alten Rosengarten zurück. Endlich hat das OLG Oldenburg letztinstanzlich entschieden, daß die Auflassungsvormerkung gelöscht werden kann. Damit geht nicht nur ein Rechtsstreit zuende, sondern es besteht die Hoffnung, im Laufe des Winters den Schandfleck zwischen Parkhotel und Badehaus beseitigen zu können. Jetzt sind die Insulaner gespannt, was die Stadt mit dem Grundstück vor hat, denn der Markt für 5-Sterne-Hotels ist deutlich kleiner geworden als er vor 5 Jahren war; und glücklich wären die Norderneyer selber kaum, wenn hier eine Konkurrenz für Sylt entstünde: dort können sich die Insulaner kaum noch ihre eigene Insel leisten.

5-Sterne-Hotel Norderney 5-Sterne-Hotel Norderney Nun hat die Insel also drei Grundstücke, die der Bebauung harren, zu verkaufen: das 5-Sterne-Grundstück hinterm Kurhaus, das marode Haus der Insel und in absehbarer Zeit wohl auch unsere schmucke Grundschule an der Jan-Berghaus-Straße - solange Sie keine Ferienwohnungen bauen: Können Sie, lieber Leser, vielleicht ein Grundsrtück auf meiner Insel gebrauchen??

Wir gehen spielen, tschüss Mutti!!

Ins zweite Jahr geht ein Erfolgsprojekt, daß viele Insulaner schon tot redeten bevor es überhaupt entstanden war: Das Spielhaus Kap Hoorn an der südlichen Mühlenstraße. Hier ist unter Dach ein kleiner Abenteuerspielplatz entstanden wie er ehedem schonmal auf dem Freigelände neben dem Kap eingerichtet war (war den kinderarmen Anwohnern damals wohl etwas zu erfolgreich...). Hier kann man herrlich klettern, toben, spielen, Eis essen und Skateboard fahren. Die Zielgruppe ist jedenfalls dem Vernehmen nach schwer begeistert. "Soweit draußen? Da kommt doch kein Mensch!" Nunja, manchmal muß man eben einfach etwas anfangen, dann kommt der Erfolg ganz von selbst...

Abriß des Haus der Insel ?

Geld kann man nur einmal ausgeben. Gegen Adam-Riese kann man nicht anregieren. So oder ähnlich klingt es, wenn Politiker schlechte Nachrichten verkünden müssen. In den seltensten Fällen sind die Herolde glücklich darüber.

So ist es auch beim Haus der Insel. Die Touristen wollen es, die Bürger wollen es und wenn man im Rat herumfragen würde, wäre bestimmt keiner dagegen, wenn - tja, wenn da nicht ein kleines Problem wäre.

Jeder, der den Warschauern dort zugehört hat, der um die Grundfeste des Hauses bangte, wenn die Wise Guys das HdI erzittern ließen, weiß um den Wert des Objekts für die Insel.

In den letzten Jahren hat das HdI aber herbe Verluste eingespielt; das wäre nicht schlimm, denn es trug zum Wert der ganzen Insel bei. Viele Gäste kommen nicht zuletzt wegen des attraktiven kulturellen Programms. Nun aber müssen größere Summen ausgegeben werden, um es zu renovieren. Bleibt die Frage, wo die herkommen sollen.

Man könnte z.B. die Preise erhöhen, etwa mit einem HdI-Solidaritätsbeitrag, so schlägt es etwa aktuell Fam. Rahn aus Reutlingen in einem Leserbrief an Rat und Bürgermeister vor (NBZ vom 13.8.09). Daß es für solche Vorschläge eher wenig Sympathie gibt liegt auf der Hand. Oder man überträgt es jemandem, der es renoviert und betreibt. Leider scheint niemand, der sich derzeit öffentlich für den Erhalt des Hauses einsetzt, das HdI übernehmen zu wollen, so etwa die Fraktion der Freien Wähler unter lautstarker Führung des Ratsherrn Moroni. Schließlich könnte man an anderer Stelle einsparen, doch wo? Man könnte den Zuschuß zum Krankenhaus streichen, wozu braucht die Insel auch ein Krankenhaus? Und bei den Schulen könnte man bestimmt undichte Fenster und Dächer weiter lecken lassen. Man könnte den Badebetrieb einstellen. Oder die Blumenbepflanzung weglassen. Man könnte die Symphoniker streichen - tausend Möglichkeiten, die niemand will.

Nein, es reicht nicht, den Abriß des HdI öffentlich zu beweinen; wer das Objekt erhalten will muß erklären, wie es finanziert werden soll. Tränenreiche offene-/Leser-briefe an Rat und Bürgermeister nerven, solange darin nur das Problem ein ums andere Mal gewälzt wird ohne konkrete Lösungen aufzuzeigen. Leuchtturm Norderney

Solidarität

... mit der Insel können nun alle Postkartenschreiber bekunden, zumindest soll es noch einige Restbestände der Briefmarke mit dem charakteristischen insularen Leuchtturm geben. Auf die gute Idee kam die Norderneyer Philatelistische Vereinigung und so machen die Marken bundesweit "Heimweh" nach meiner Insel...

ungeliebte Zweitwohnungen

Ein heißes Thema auf der Insel ist seit Jahren die Debatte um die Grundstückspreise. Da der bebaubare Raum kaum auszudehnen ist, schießen die Preise ins für Insulaner Unbezahlbare. Oft werden recht scheußliche Zweckbauten errichtet und die Wohnungen darin nur wenige Tage im Jahr von Festländern selbst genutzt. Zur Vermietung freigegeben sind sie unerwünschte Konkurrenz.

bodenloser Leichtsinn - tödliche Dummheit

"Wenn die Frau da gleich um Hilfe schreit, holst Du sie dann raus?" frag ich Christian, der neben mir an einem schönen Sommerabend auf einer Bank der Strandpromenade sitzt. Christian ist Rettungsschwimmer, und einer der besseren. Der springt selbst ins Wasser wenn es friert - und wenns Not tut.
"Ablandiger Wind, ablaufend Wasser" murmelt er, "da wirds auch für den Retter gefährlich. Als ob wir nachmittags zum Spaß am Badestrand stehen. 18 Grad hat das Wasser, die Jüngste ist sie auch nicht mehr. Und die Strömungen am Fahrwasser sind tückisch. Aber nein, die muß ja unbedingt ins Wasser!"
"Guck mal da drüben, ein Pärchen, und das Kind mit Luftmadratze. Wenn denen was passiert, so schnell ist vom Riffkieker kein Mensch da. Hoffentlich geht das gut" meine ich.
"Komm, lass uns gehen. Ich kann das nicht mit ansehen, wie man so blöd sein kann..." entgegnet Christian und läuft stadteinwärts, weg vom Strand, weg von Leuten, die sich und andere mutwillig in Lebensgefahr bringen. "Und führe uns nicht in Versuchung..." höre ich ihn noch murmeln - ich kanns ihm nicht verdenken...

Nachtrag, einige Tage später: 66 jährige Frau geht gegen 18 Uhr am FKK-Strand mit ihrer Freundin und ihrem Sohn ins Wasser, der bewachte Badebetrieb ist längst eingestellt. Freundin und Sohn erreichen mit Mühe das Ufer, die Frau spült die auflaufende Flut eine Stunde später 300m weiter auf den Sand. Der Notarzt kann nur noch den Tod feststellen.

Tags zuvor ein ähnlicher Fall auf Juist.

Bis zum Hals im Wasser

Insbesondere die Freien Wähler halten Rat, Verwaltung und Bürgermeister vor, sie täten nicht was die niedersächsische Baugesetzgebung hergäbe, um der Entwicklung Einhalt zu gebieten. Die solcherart gescholtenen berufen sich darauf, daß man in einem freien Land mit seinem Eigentum eben machen könne was man wolle und man daher keine gesetzlichen Mittel habe, den Ausverkauf einzuschränken. Es sei schon schlimm genug zugucken zu müssen, wie Gewerbeflächen im Stadtbereich an plus, dm, kik und Co. verramscht werden, aber was solle man tun?? Folge man den zweifelhaften Vorschlägen der Schreihälse, setze man sich unkalkulierbaren Schadensersatzforderungen gegen die Stadt aus - das sei sicherlich nicht der richtige Weg. Letztlich seien es eben die Insulaner, die ihre Flächen an Meistbietende verschachern.

Und damit trifft man sicherlich den Kern der Sache.

Wissen Sie was Brunisierung ist?

Ich habs auch nicht gewußt. "Brunisierung" ist der Nachfolger von "Müllerisierung", "Michelisierung" und "Creuzenbergisierung" - na, klingelts? Gemeint sind damit festländische Investoren, die das ein oder andere Haus aufkaufen, bauen, sanieren und jedenfalls auch selbst betreiben. Im Gegensatz zu den ungeliebten Kontinental-Investoren, die ihre scheusslichen Bausünden schnellstmöglichst verscherbeln. Brunes interessierten sich für das zum Verkauf stehende Golfhotel, was einige Inselbürger mit Argwohn verfolgten. Dabei wird verdrängt, daß es eben diese Unternehmer im wahrsten Sinne des Wortes sind, die den Insulanern Lohn&Brot geben, einigen direkt und vielen indirekt. Die Familie Brune betreibt z.B. das Rode Huus, das Witte Huus und das Hotel Seebrücke sowie die Milchbar. Und wenn man sich die ehemals vom Verfall bedrohten Objekte näher anschaut und sieht, was sie für Schmuckstücke aus den alten Schuppen gemacht haben, dann dürfte weiteres Engagement dieser Investoren doch wohl eher Segen als Fluch sein, oder?

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Arne Goerndt