Im Watt verlegte Seeleitungen bzw. -kabel versorgen die Insel mit Strom, Gas und Kommunikation (Telefon), Treibstoff für unsere klitzekleine Tankstelle und die Ölöfen der Insel kommt regelmäßig mit dem Tanker, die wichtigsten Zeitungen im Sommer frühmorgens mit dem ersten Flieger, Post, Ihre Koffer und nicht zuletzt Sie selbst mit der Frisia.
Nur wenige Menschen machen sich darüber Gedanken, aber die Versorgung ist eine gutorganisierte logistische Aufgabe, die den Insulanern und Gästen erst so richtig bewusst wird, wenns mal nicht klappt; etwa wenn ein Bagger eine Stromleitung zerrissen hat oder die Frisia wegen Eisgangs nicht fahren kann und das Mehl der örtlichen Bäckereien knapp wird (keine Angst, kommt nur alle paar Jahre vor).
Originär wird auf der Insel eigentlich nur das Trinkwasser
gewonnen. Nein, es ist weder aus Meerwasser noch stammt es aus versickertem Salzwasser. Wir sind in der glücklichen Lage, den Wasserbedarf ausschließlich aus Grundwasser, also eingetragenen Niederschlägen, decken zu können, die sich unter der Insel zu einer
Süßwasserlinse gesammelt haben.
Diese ist bedroht, wenn Salzwasser etwa bei Sturmfluten ins Innere der Insel und in die Brunnen eindringt bzw. versickert (Wangerooge 1962) oder bei zu hoher Wasserentnahme. Daher schützen Sie bitte nicht nur unsere Deiche und Dünen, sondern seien Sie auch sparsam mit dem Trinkwasser.
Das ausgesprochen kalkarme Wasser (wenn Sie sich naß rasieren, werden Sie die Seife kaum abspülen können) wird in zwei Wasserwerken aus dem Untergrund gefördert, (nicht chemisch!) gereinigt und über den Ort verteilt. Ich kenne Insulaner, die es sich kanisterweise nach Recklinghausen und Gelsenkirchen mitnehmen, da sich der richtige Teegenuß nur mit weichem Wasser einstellt.
Der Salzgehalt unseres Trinkwassers liegt erstaunlicherweise unter dem vieler Tafelwässer, die Sie zu Hause in Flaschen käuflich erstehen. Die hin- und wieder leicht gelbliche, gesundheitlich völlig unbedenkliche Trübung ist auf eine Ton- und Torfschicht im Untergrund der Insel zurückzuführen; die Beseitigung der Trübung wäre nur durch Zugabe von Chemikalien möglich - und das gibts bei uns nicht!
Fisch wird von den Insulanern kaum noch gefangen, ein paar Jäger sorgen für die Regulierung des Wildbestandes (insbesondere der unzähligen Kaninchen), in den beiden Kleingartenkolonien gedeihen Obst und Gemüse zum Eigenverzehr.
Nach dem Umknicken eines der vier Windräder, die einige Jahre an der Kläranlage Strom produzierten, wurden die restlichen drei aus Sicherheitsgründen demontiert (Anwohner) und aus Naturschutzgründen (Vogelschutzgebiet) nicht wieder aufgestellt. Nichteinmal die Grünen der Insel - mit der SPD zusammen die Mehrheit im Stadtrat - konnten und wollten das verhindern. Rindviecher und Schafe (zur Deichpflege) kommen nur als Sommergäste zur Insel.
Wie gesagt: es kommt fast alles vom Festland.
Neuerdings finden Sie möglicherweise in den Regalen Ihres Supermarkts daheim Norderneyer Schinken. Er reift hier in frischer Seeluft und erfreut sich großer Beliebtheit. Das rohe Fleisch kommt natürlich vom Festland und wird dort vorwiegend auch verzehrt. Wenn Sie Zeit haben (mo-fr 11.30h) besichtigen Sie den Betrieb und verkosten die Delikatesse gleich vor Ort. Melden Sie sich einfach mo-fr 10-13 Uhr kostenlos unter Tel. 0800-8770770 und lassen es sich schmecken!
Nach der üblichen mechanischen Klärstufe (großer Rechen, Sand und Fettabscheidung) wird das Abwasser in bis zu drei Belebungsbecken geleitet, wo es von einigen Milliarden freischwimmenden Angestellten der Stadtwerke (neuerdings: "Wirtschaftsbetriebe der Stadt"
) biologisch bearbeitet wird. 5 bezahlte Mitarbeiter halten sie rund um die Uhr mit viel Sauerstoff, Liebe und Aufmerksamkeit bei Laune. In drei Nachklärbecken setzt sich dann das Substrat ab, während das mittlerweile klare (und trinkbare!) Wasser in drei Schönungsteiche im Vogelschutzgebiet fließt, von wo es ins Wattenmeer abgegeben wird. Auch der Klärschlamm wird wiederverwertet: Er wird in neun großen Beeten rund acht Jahre lang getrocknet (ca. 25.000 m3p.a. , 98% Wasseranteil!) und das Substrat (knapp 10 Prozent des ursprünglichen Volumens) u.a. im Landschaftsbau verwandt.
Unsere alte Mülldeponie, gleich gegenüber der Kläranlage (der sog. Schietlecht) ist geschlossen; der Müll wird in Container gepreßt und mit einem ehemaligen Landungsboot der Bundesmarine zum Festland befördert, wo sich die Hager über unsere Abfälle freuen. Abfall ist teuer - viel Abfall ist sehr teuer; daher eine Bitte: vermeiden Sie wo möglich Abfälle oder trennen Sie sie, d.h. ab in die gelben Säcke, Tonnen, Glas- und Papiercontainer.
Auf dem Gelände der ehemaligen Deponie befindet sich heute ein städtisches Recycling-Zentrum, das Bauschutt verwertet und die Kompostierung biologischer Abfälle übernimmt. Die Kleingärtner können hier ihre Gartenabfälle abgeben. Da unser Sandboden sehr nährstoffarm ist, besteht für guten Humus immer Bedarf.